DSDM, die Dynamic System Development Method, entstand Mitte der 90er Jahre in Großbritannien, als einige große Firmen sich zusammentaten um herauszufinden, warum RAD Projekte manchmal funktionieren und manchmal nicht. DSDM verfeinert RAD um einen definierten Prozess. Dieser Prozess hat in weiten Teilen eine große Ähnlichkeit mit Scrum, unterscheidet sich aber durch wesentlich genauere Definition der einzelnen Prozessschritte und Rollen.

Jetzt neu: DSDM Atern

DSDM basiert auf 9 Prinzipien:

  1. Der Kunde wird aktiv in die Arbeit des Team einbezogen
  2. Die Entscheidungsgewalt liegt (zumindest in großen Teilen) beim Team
  3. Es wird eine regelmäßige Lieferung von fertigen (Teil-) Produkten angestrebt
  4. Jede (Teil-) Lieferung muss einen Geschäftswert für den Anwender darstellen, dies ist auch das relevante Abnahmekriterium (Business-Value-Driven)
  5. Iterativ Inkrementelle Entwicklung ist notwendig, um eine adäquate Lösung zu erzielen
  6. Alle Änderungen während der Entwicklung sind zurücknehm- oder umkehrbar.
  7. Anforderungen werden auf einem relativ hohen Niveau festgeschrieben
  8. Testen ist integraler Bestandteil des gesamten Prozesses
  9. Die kooperative Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten ist überaus wichtig.

Man sieht hier auf den ersten Blick die Parallelen zu anderen Prozessen bzw. Bestandteilen anderer Prozesse, wie z.B. den On-Site-Customer aus XP.

Daneben gibt es einige Kern-Techniken:

  • Timeboxing: Jede Iteration hat eine definierte Dauer. Diese Dauer ist fix.
  • Das Prinzip: Anforderungen werden in die Kategorien Muss, Sollte, Könnte und will später eingeordnet. Innerhalb einer Iteration werden dann Anforderungen aus unterschiedlichen Kategorien umgesetzt. Sollte es innerhalb eine Iteration zu Problemen mit der Umsetzung kommen, können dann niedrig priorisierte Anforderungen aus der Iteration herausgekippt werden.

In einem DSDM Projekt gibt es die folgenden fünf Projektphasen:

  1. Machbarkeitsstudie (Feasability Study) : hat das Projekt Aussicht auf Erfolg hinsichtlich der Projektdurchführung und des Business Case? (Auch Laughter Test genannt: fällt das Projekt bei der ersten Vorstellung durch, weil niemand ernsthafte Erfolgsabsichten sieht und daher alle über das Projekt lachen müssen?)
  2. Business Study: der Fokus des Projektes, die wesentlichen Anforderungen, ein Business-Case sowie die wesentlichen Projektbeteiligten werden festgelegt.
  3. Functional Model Iteration: Es wird eine detailliertere Spezifikation des Produktes, die Architektur sowie ein Prototyp entwickelt.
  4. Design and Build Iteration: Das Produkt wird entwickelt und getestet.
  5. Implementation: Das fertige Produkt wird an die Anwender übergeben.

Dabei sind die Phasen 3 bis 5 iterativ zu durchlaufen, analysiert, entwickelt und ausgeliefert wird also jeweils ein Teilprodukt.

Nähere Infos gibt es unter http://www.dsdm.org. Ich bin derzeit mit dem DSDM Konsortium im Gespräch, um DSDM in Deutschland ein wenig bekannter zu machen.

Interessanterweise ist DSDM in Deutschland kaum verbreitet - dem DSDM Konsortium ist nur eine Anwendung bekannt. Dies kann u.a. auch daran liegen, dass das DSDM Konsortium in der Vergangenheit für die Nutzung von DSDM Lizenzgebühren erhob. Dies Gebühren wurden genutzt, um eine finanzielle Grundlage für die Weiterentwicklung und -verbreitung von DSDM zu schaffen.

Wer DSDM einsetzt, möge sich bitte hier melden:

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